Artikel über Carports in FAZ

Alternative Carport

Schlanke Lösung

Carports gelten als gute Alternative zur Garage - neben dem Kostenargument gewinnt auch der gestalterische Aspekt an Bedeutung. Um Konflikte mit Behörden und Nachbarn zu vermeiden, sollten sich Hauseigentümer vorab informieren.

Von Marcus Stölb

Seit einigen Wochen verzeichnen Verkäufer ein großes Interesse an Solar-CarportsSeit einigen Wochen verzeichnen Verkäufer ein großes Interesse an Solar-Carports

08. Mai 2011 

Als Familie Beckert ihr neues Zuhause plante, stand eine Garage nicht zur Debatte. „Das hätte zu unserem Holzhaus gar nicht gepasst“, sagt Martina Beckert, „außerdem fehlte uns der Platz für eine Doppelgarage.“ Die Wahl fiel schließlich auf einen Doppelcarport – aus Holz, versteht sich. Der bietet nicht nur Raum für zwei Fahrzeuge, sondern auch für einen gut 18 Quadratmeter großen Geräteraum. Alles unter einem Dach. Grau gestrichen fügt sich der Carport harmonisch ins Gesamtbild des Anwesens ein.

Carport oder Garage? Oft entscheidet der Preis. Ist das Wohnhaus errichtet, das Budget erschöpft und der Kreditrahmen ausgereizt, fehlt vielen Bauherren das Geld für ein passendes Dach über der Kühlerhaube. Als kostengünstige Lösung kommt dann häufig der Carport ins Spiel. An Angeboten mangelt es nicht: Die Palette reicht vom Bausatz zur Selbstmontage bis zum individuell geplanten und vom Fachbetrieb errichteten Designer-Carport. Zwischen einigen hundert und mehreren tausend Euro bewegt sich die Preisspanne. Um Interessenten die Entscheidung zu erleichtern, bieten mehrere Anbieter im Internet Online-Kalkulationen an.

Besser durchlüftet, weniger Sicherheit

„Meist lassen sich unsere Kunden erst einen einfachen Carport montieren, der vor allem preiswert ist“, berichtet Kersten Schmidtke. Einige Jahre später, wenn das Geld wieder lockerer sitzt, komme dann bei vielen Hausbesitzern der Wunsch nach einem ansprechenderen Carport auf. Der Inhaber der Schmidtke & Co. Holzveredelung GmbH in Greifswald verzeichnete in den vergangenen Jahren eine wachsende Nachfrage, der Trend gehe zu „individuellen Komplettlösungen“. Ähnlich äußert sich Marcus Seidel, Geschäftsführer von carports.de. Zwar schauten die Kunden nach wie vor auf den Preis, doch die Optik spiele eine immer größere Rolle, hat der Berliner beobachtet.

Ohnehin gebe es eine Vielzahl von Gründen für einen Carport, sagen Schmidtke und Seidel unisono. Beide verweisen auf den Witterungsschutz: Das Fahrzeug werde gleichermaßen vor Regen wie vor permanenter Sonneneinstrahlung und Überhitzung geschützt, auch Frost und Hagel könnten dem untergestellten Auto wenig anhaben. Gleiches lässt sich allerdings auch für einen ummauerten Stellplatz behaupten, weshalb Carport-Fans vor allem ein Argument ins Feld führen: Die offene Bauweise ermöglicht eine bessere Durchlüftung, ein nasser oder feuchter Pkw kann schneller trocknen als in einer Garage; damit wird der Rostbildung vorgebeugt. Dem steht indes das Manko gegenüber, dass ein Carport weniger Schutz vor Diebstahl und Gewalteinwirkung bietet, und auch Nager haben bei einem Carport leichteres Spiel, denn der Zutritt zur Garage ist ihnen in der Regel verwehrt.

Profitiert die Branche vom Fukushima-Faktor?

Viele Versicherungen räumen Garagenbesitzern deshalb einen Rabatt ein, doch dürften wenige Euro Ermäßigung im Jahr wohl kaum den Ausschlag dafür geben, sich gegen den Kauf eines meist deutlich kostengünstigeren Carports zu entscheiden, gibt Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu bedenken. Zumal seit einigen Jahren eine Tendenz zum Diebstahl hochwertiger Fahrzeuge festzustellen sei, und hierbei ließen sich die Täter im Zweifel auch nicht von verschlossenen Garagentoren abschrecken, meint Rüter.

Ist die Entscheidung für einen Carport gefallen, tritt neben dem Kostenaspekt der gestalterische Anspruch in den Vordergrund. Dieser Faktor habe in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, sagt Seidel, und Kersten Schmidtke bestätigt: „Bei vielen Fragen geht es den Kunden um den eigenen Geschmack.“ Mit einer simplen Wellblech- und Flachdachlösung wollen sich zahlreiche Hauseigentümer nicht mehr zufriedengeben, stattdessen werden Modelle mit Sattel- oder Walmdach oder Designer-Carports nachgefragt, heißt es von Seiten der Hersteller.

Seidel berichtet von einem weiteren Phänomen: Seit einigen Wochen verzeichne er ein großes Interesse an Solar-Carports. Profitiert die Branche nun von einem Fukushima-Faktor? Soweit würde Seidel nicht gehen, doch hätten manche seiner Kunden durchaus die Absicht geäußert, mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Carportdach einen, wenn auch kleinen Beitrag zum Atomausstieg zu leisten.

Dass in der Vergangenheit der gestalterische Aspekt bei Carports oft auf der Strecke blieb, rief zwischenzeitlich viele Kommunen auf den Plan. Denn gerade in innerstädtischen Lagen, in denen der Bedarf an Stellplätzen besonders groß ist, kann eine Ansammlung von rein funktionalen und allzu schlichten Unterstellplätzen die städtebauliche Qualität merklich beeinträchtigen. Immer mehr Bebauungspläne machen deshalb zum Teil sehr konkrete Vorgaben.

In vielen Bundesländern herrscht Genehmigungsfreiheit

Darauf weist auch Gerd Olk hin. Der 45-Jährige arbeitet im Baubürgerbüro der Stadt Trier, regelmäßig berät er auch Hauseigentümer, die sich einen Carport zulegen möchten. „Viele sichern sich ab und fragen vorher lieber noch einmal nach“, berichtet er. Das sei auch der richtige Weg, meint Olk, denn auch wenn sich die Regelungen in den verschiedenen Bundesländern ähnelten, so gebe es im Detail doch wichtige Unterschiede. Während mancherorts ein Bauantrag verlangt wird, herrscht in vielen Bundesländern Genehmigungsfreiheit.

So können in Rheinland-Pfalz Carports ohne Baugenehmigung errichtet werden, wenn ihre Grundfläche maximal 50 Quadratmeter beträgt und „eine mittlere Wandhöhe von 3,20 Meter über der Geländeoberfläche“ nicht überschritten wird, heißt es in der Landesbauordnung. Damit zählt die rheinland-pfälzische Regelung zu den großzügigeren – im Land Berlin etwa endet die Genehmigungsfreiheit bei 30 Quadratmetern Grundfläche. Der Carport darf auch auf die Grundstücksgrenze gesetzt werden, eine Abstandsfläche zum Nachbargrundstück ist nicht vorgeschrieben.

Anders stellt sich die Situation dar, wenn in einem Bebauungsplan konkrete Vorgaben festgesetzt wurden, gibt Olk zu bedenken. Und auch in Denkmalschutzzonen oder wenn ein Carport unmittelbar neben einem Kulturdenkmal plaziert werden soll, sind besondere Regelungen zu beachten. Ansonsten kann die Behörde nachträglich die Demontage anordnen, nicht nur in Trier ist das schon mehrmals vorgekommen.

Bauberater Olk empfiehlt deshalb, sich auf jeden Fall vorab über die konkreten Bedingungen und gesetzlichen Bestimmungen zu informieren und auch das Gespräch mit den Nachbarn zu suchen. Denn nicht selten greifen diese zum Zollstock und messen nach, ob der Carport von nebenan den Bestimmungen der Landesbauordnung entspricht. „Das ist sehr oft der Fall“, berichtet Olk, Konflikte seien damit programmiert. Allerdings, räumt er auf Nachfrage ein, herrschte bei den meisten dieser Nachbarn schon zuvor Funkstille.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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